Vom Firmenparadies zur Bürokratie-Wüste: Warum Dubai nicht mehr der Goldstandard für Online-Unternehmer ist
Dubai war einmal der Inbegriff des steuerfreien Traums. Keine Buchhaltung, keine Steuern, minimale Bürokratie – einfach gründen und das Leben in der Sonne genießen. Doch der Schein trügt zunehmend.
Seit 2024 geht bürokratisch langsam die Sonne über dem Wüstenemirat unter.

Ich war selbst mehrmals in Dubai, einmal sogar knapp fünf Monate - das ist zwar nicht genug, um Experte zu sein (deshalb biete ich für die Region auch keine Beratung an), aber genug, um das Leben dort ausgiebig zu testen.
Hier ist mein ehrlicher Erfahrungsbericht darüber,
was Dubai kostet und bietet,
wo die Hürden liegen und
warum Städte in Asien, Südamerika oder Europa für die meisten Auswanderer aus mehreren Gründen die klügere Wahl sind.
Licht und Schatten: Mein persönlicher Eindruck
Wer in Dubai landet, ist erst einmal beeindruckt. Die Stadt bietet eine fast perfekte Infrastruktur. Überall gibt es moderne Fahrradstationen zum Ausleihen, die Straßen sind makellos und zwischen den Wolkenkratzern findet man erstaunlich gepflegte Gärten, Wasseranlagen und viele Freizeiteinrichtungen. Es ist sauber, sicher und die Kriminalitätsrate im klassischen Sinne ist extrem niedrig. Man kann nachts beruhigt auf die Straße gehen, auch als Frau.
Doch hinter der glitzernden Perfektion spürt man schnell eine gewisse menschliche Distanz wie in amerikanischen und europäischen Städten, die es in Asien viel weniger gibt. Es ist eben auch eine Multi-Kulti-Stadt, in der die Leute nur etwas besser gelaunt sind.
Was ich selbst erlebt habe und mir andere bestätigt haben, sind häufig auftretende opportunistische ,,Freundschaften´´ mit Leuten, die auch dort wohnen, mehr oder weniger seriöse Geschäfte machen und in denen man sich erst mal denkt, dass man als Kunde angeworben wird - das kann einem überall auf der Welt passieren, aber ich habe das bereits mehrmals von Deutschen in Dubai erzählt bekommen, dass man einfach aufpassen muss.
Viele Autovermieter behalten die Kaution einfach ein oder zahlen sie erst nach einem Monat zögerlich zurück – und das meistens auch nur, wenn man ihnen permanent auf die Nerven geht. Ich habe selbst einen Tesla für mehrere Tage gemietet und das Geld erst nach über einem Monat häufiger Nachfrage zurückerhalten. Wer schon einmal in Asien war, weiß sofort, was ich meine, das in Dubai fehlt: Die herzliche Wärme der Menschen mit Lächeln findet man in Dubai eher bei den philippinischen Arbeitern - was aber wenig über die echten Einheimischen aussagt, schließlich sind ja auch weniger als 20% Einheimische.
Die Einheimischen sind trotzdem hilfsbereit und sehr chillig drauf, und man kann mit Sicherheit auch Einheimische als Freunde finden - dazu habe ich mich selbst sicher zu wenig integriert und war nicht lange genug da - deshalb kann ich nur meine Erfahrung bewerten.
Es gibt
internationale Top-Schulen (die es aber auch in Bangkok, Singapur viel günstiger gibt)
eine sehr günstige Krankenversicherung für circa €100 im Monat
Komfortable Lieferservices 24 Stunden land, die dir alles nach Hause bringen
Viele Freizeiteinrichtungen für die ganze Familie
Küche aus der ganzen Welt
Direktflüge in mehr als die halbe Welt
Gute Arbeitgeber von internationalen Konzernen, die gut ausgebildete Fachkräfte gut bezahlen, aber auch einige Unternehmen, die Ausländer ausnutzen
Es begegnet einem auch eine andere Art von Belastung – der Lärm- und Sandstaub-Smog. Während ich im 36. Stock eines Hochhauses wohnte, fiel mir extrem auf, wie sehr dieser Lärm das Leben dominiert. Die Fenster und Balkone sind ab und an mit feinem Wüstenstaub bedeckt. Die riesigen, mehrspurigen Autobahnen führen überall mitten durch die Stadt und verlaufen relativ nah am Strand. Dubai verfügt zwar über öffentliche Verkehrsmittel wie die Metro, aber es bleibt eine reine Autostadt. Man will und muss hier fast immer ein Auto haben. Spätestens im Sommer, wenn das Thermometer auf bis zu 50 Grad Celsius (oft über 40) klettert, läuft niemand mehr freiwillig zu Fuß zur nächsten Straßenbahn- oder Metrostation.
Wenn man das nötige Kleingeld hat, kann man sich in Dubai zweifellos gut austoben. Für „normale“ Menschen, Selbstständige, die online arbeiten, oder Pensionisten macht das Leben hier finanziell jedoch kaum Sinn.
Während meiner Zeit in Dubai habe ich mindestens 3.000 bis 4.000 Euro im Monat ausgegeben – und das bei einem ganz normalen Lebensstil mit alltäglichen Freizeitaktivitäten und obwohl ich selbst die Hälfte der Mahlzeiten gekocht habe.
Das größte Loch ins Budget reißt wie überall (außer in Asien) das Wohnen:
Allein die Hälfte davon floss in die Miete für ein kleines Zimmer in einer WG in sehr zentraler Lage in der Marina (mit Langzeitrabatt).
Eine eigene Studio-Wohnung in guter Lage kostet selbst ohne Meerblick ungefähr so viel wie in den teuersten europäischen Großstädten.
Dazu kommt das Problem mit den Nebenkosten. Manche Apartments haben so horrende Service Charges, dass man unterm Strich oft besser fährt, wenn man einfach immer mietet. Zudem lässt die Bauqualität in vielen Hochhäusern zu wünschen übrig: Schlechte zentrale Klimaanlagen oder bauliche Mängel sind keine Seltenheit. Wer die Natur sucht, bekommt Weite, und die ist auch nicht schlecht. Die Wüste und die nahen Berge sind nett für einen Ausflug, aber absolut kein Vergleich zur atemberaubenden Natur in vielen anderen Regionen der Welt - wie Asien.
Zudem hat sich die geopolitische Lage verändert: Der Iran-Krieg ist geografisch nicht allzu weit weg und hat bereits zu Beschädigungen in Dubai geführt. Zwar verfügt Dubai über eine hervorragende Verteidigung, dennoch bleibt die Lage ein spürbares Risiko.
Der Kosten- und Lebensqualitäts-Vergleich:
Dubai vs. Bangkok
Warum machen Städte wie Bangkok, Kuala Lumpur oder Singapur deutlich mehr Sinn?
In Asien bekommt man in einigen Großstädten eine etwas weniger perfekte bis ähnlich moderne Infrastruktur, zahlt aber für Dienstleistungen, Transport und hervorragendes Essen nur einen Bruchteil des Geldes.
Natürlich ist auch in Asien nicht alles perfekt, doch die Probleme verlagern sich: Während man in Dubai mit permanentem Lärmsmog durch die Autobahnen lebt, kämpfen Metropolen wie Bangkok teils mit klassischem Smog durch Abgase und Verbrennungen. Wer jedoch mit der Luftqualität in Asien umgehen kann, lebt dort um ein Vielfaches günstiger, umgeben von einer spürbar herzlicheren Kultur und einer lebendigeren Lebensqualität, die man für 4.000 Euro im Monat in Dubai vergeblich sucht.
Die bürokratische Realität und die Verschärfung beim Golden Visa
Auch geschäftlich hat sich das Blatt gewendet. Seit 2023 gibt es in den VAE theoretisch eine Körperschaftssteuer (KöSt) von 9 % auf Gewinne über 3 Millionen AED außerhalb der Free Zones. Obwohl die meisten Online-Unternehmer weiterhin 0 % zahlen, hat sich der Aufwand massiv erhöht: Es gelten Audit-Pflichten für testierte Jahresabschlüsse, Registrierungspflichten und ab ca. 87.500 € Umsatz die Umsatzsteuerpflicht.
Das Konstrukt einer kleinen Freezone-Firma inklusive Visum schlägt locker mit 10.000 bis 19.000 Euro jährlich zu Buche.
Zudem ist das Argument der Flexibilität hinfällig: Mit einem Residence Visa muss man mindestens alle 6 Monate einmal einreisen. Für deutsche Gründer ist das Doppelbesteuerungsabkommen Ende 2021 ausgelaufen und für Österreich wurde es drastisch verschärft.
Wer nun denkt, er rettet sich einfach über Immobilien in das begehrte Golden Visa, stößt auf die nächsten Hürden. Die Bedingungen wurden deutlich verschärft: Die Mindestinvestition liegt bei zwingend 2 Millionen Dirham pro Person. Früher war es problemlos möglich, eine Immobilie gemeinsam mit dem Partner zu erwerben und die erforderliche Investitionssumme einfach aufzuteilen, um für beide den dauerhaften Aufenthaltsstatus zu sichern. Diese Zeiten sind vorbei – der Staat verlangt pro Kopf den vollen Betrag.
Die Alternativen für die Firmengründung
Eine Dubai-Firma macht heute eigentlich nur noch dann Sinn, wenn man dauerhaft dort leben möchte, das Visum braucht, aber das Geld für das teure Golden Visa nicht ausreicht. Und selbst dann sollte man zuerst die 3 Monate visumfreien Aufenthalt komplett ausnutzen.
Für Online-Unternehmer, die außerhalb der D/A/CH-Region und außerhalb Amerikas agieren, ist die US LLC im Moment der unangefochtene Spitzenreiter in Sachen Flexibilität, Privatsphäre (im richtigen Bundesstaat) und Kosten. Vor allem auch wegen der dortigen Kredikarten.
Fazit
Die Emirate sind nach wie vor effizient und sauber und für Wohlhabende, die gern Auto fahren geeignet. Für klassische Online-Firmen ist Dubai eben nicht mehr der unkomplizierte Goldstandard, der es einmal war.
Hinweis in eigener Sache: Ich biete selbst keine Beratung für Einwanderer nach Dubai an. Mein Fokus und meine Expertise liegen exklusiv auf der Relocation und Auswanderung nach Asien und Ozeanien.
Für mehr Infos und tiefe Einblicke zum Thema Firmen-Auswanderung in diese Regionen: Nimm am Webinar teil, folge mir auf den sozialen Netzwerken (@julianexpatriated) und abonniere meinen Newsletter!
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